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ERWARTUNGEN

Erwartungen ist ein großes Wort und ist so ziemlich tagtäglich bei uns bewusst oder unbewusst. Oft verwechseln wir das Wort Erwartungen und denken, das Wort bedeutet Anspruch. Manchmal gehen wir auch davon aus, dass das Wort Erwartungen so ziemlich negativ behaftet ist, nicht wahr? Prinzipiell sind alle Wörter neutral, es kommt immer darauf an, wie oder welche Erfahrungen und welche Emotionen gewisse Wörter in dir hervorrufen.

Er-WART-ungen. In diesem Wort steckt das Wort WARTEN. Und wir alle, da gibt es keine Ausnahme, warten. Wir warten aus unseren Erfahrungen heraus, dass das oder das jetzt passiert oder zu uns kommt. Je nach dem, auf was du gerade wartest. Da ist überhaupt nichts Schlimmes daran. Denn warten ist neutral, doch was wir oft vertauschen, ist, dass wir glauben, Erwartungen zu haben, heißt automatisch Anspruch zu haben. Wahrscheinlich ist es dir auch schon manchmal passiert, dass du geglaubt hast, dass diese Person das oder das machen soll, damit sich deine Erwartungen bestätigen.

Erwartungen bei Kindern und Jugendlichen

Gerade wenn du mit Kindern und Jugendlichen arbeitest, sind Erwartungen oder Ansprüche wahrscheinlich oft am Tagesprogramm. Kinder sind natürlich ehrlich, wenn man sie lässt. Sie wissen auch ganz genau, was ihnen guttut und was nicht. Manchmal können wir uns dies aber nicht vorstellen, dass das oder das dem Kind guttun würde und handeln aus unseren Ansprüchen heraus. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund, weil wir es selbst nicht anders erfahren haben.

Es ist ganz wichtig, dass du verstehst, dass du nie falsch handelst. Nie. Denn das Wort falsch gibt es nicht. Denn auch, wie oben schon geschrieben, das Wort falsch ist neutral. Es kommt immer darauf an, welches Gefühl du den Wörtern gibst. Wenn wir uns die Mathematik z. B. hernehmen, gibt es einen positiven und einen negativen Wert, doch beide Werte sind neutral. Wir Menschen nehmen oft Dinge oder Lebensmuster mit auf und tragen sie mit uns herum, weil wir glauben, dass das „normal“ ist. Weil man das eben so tut oder macht bzw. weil man eben so ist.

Doch wir vergessen dabei, dass wir alle Individuen sind. Kein einziger Mensch gleicht dem anderen. Das darf uns mehr und mehr bewusst werden. Niemand ist so wie du und du bist nie so wie die anderen. Nie! Wir alle sind kunterbunt einzigartig. Und so sind es gerade die Kinder, die ihre kunterbunte Einzigartigkeit im natürlichen Sein voll und ganz leben. Es ist Zeit, dies mehr und mehr wahrzunehmen.

Wechsle als Erziehungsperson öfters in die Metaposition.

Du als Erziehungsperson, ob du nun ein Elternteil oder eine Person, die mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, bist – du kannst dir bewusst machen, welche Erwartungen bzw. Ansprüche du an dich selbst bzw. an das Leben und an dein Umfeld hast. Versuche, öfters in die Meta-Position zu gehen, also in die Beobachterrolle und versuche gerade wenn du mit Kindern zusammen bist, neutral zu beobachten.

Am Anfang wird das wahrscheinlich eine Challenge für dich werden, doch bleib dran – es lohnt sich. Dadurch wirst du eine bessere Lebensqualität haben und du wirst mehr und mehr Leichtigkeit spüren.

Es gibt so viele Kinder und Jugendliche da draußen, die versuchen, den Erwartungen von den Eltern bzw. Erziehungspersonen zu erfüllen. Sie laufen umher und verirren sich manchmal und fühlen sich komisch oder wertlos. Das ist jetzt ein allgemeiner Aspekt, wie es manchmal aussehen kann. Doch wir wachsen mit Ansprüchen an und oft sehen die allgemein aus. Das heißt, dass es anscheinend ein Bild, keine Ahnung von wem das ausging, gibt, wie man zu leben hat und wie die einzelnen Schritte aussehen sollen. Bitte verstehe mich nicht falsch, es ist gut, dass es gewisse Systeme gibt. Wir brauchen Systeme. Doch bei den vielen Systemen dürfen wir nicht vergessen, dass wir alle Individuen sind und wir alle ganz andere Dinge brauchen.

Wir können nicht von dem ausgehen, was z. B. für einen wunderbar funktioniert. Das heißt noch lange nicht, dass es für den anderen ebenfalls wunderbar funktioniert. Da sind wir schon wieder mittendrin in den Ansprüchen, die wir Erwartungen nennen.

Es ist wichtig, dass du als Erziehungsperson deine eigene Individualität kennenlernst. Denn wenn du diese kennst, wirst du auch die kunterbunte Einzigartigkeit der Kinder in deinem Umfeld sehen.

Bist du bereit für dieses Experiment?

Ein paar Ansätze, wie du Erwartungen loslassen kannst:

Es ist keine Kunst, Erwartungen bzw. die Ansprüche loszulassen. Jeder kann das und so kannst das auch du. Das Wichtigste dabei ist, dass du es wirklich möchtest und dass du bereit bist für ein kunterbuntes, selbstbestimmtes Leben für dich und für die Kinder und Jugendliche in deinem Umfeld. Denn alles beginnt immer in dir selbst, bevor es im außen ersichtlich ist. Immer.

MEDITIEREN

Oft haben wir verlernt, unserer inneren Stimme zu vertrauen. Manchmal haben wir sie schon so vergraben, dass wir sie gar nicht mehr hören. Doch deine Intuition ist immer bei dir und du darfst auf deine inneren Impulse hören und darauf vertrauen. Denn genau diese Impulse wissen am besten, was das Beste im Hier und Jetzt für dich ist.

Meditationen unterstützen auch wunderbar, dass wir wieder mehr und mehr im präsenten Moment eintauchen und sie helfen auch von mentalen Konstrukten eine Pause zu bekommen. Manchmal halten wir uns viel zu viel im Verstand auf und dadurch können Ansprüche immer größer und größer werden. Deswegen ein gutes und sehr hilfreiches Tool sind Meditationen, um Erwartungen loszulassen.

KLARHEIT

Oft nehmen wir Dinge oder/und Situationen einfach so hin, ohne viel darüber nachzudenken bzw. zu hinterfragen. Doch gerade in der Klarheit haben wir die Möglichkeit, viel loszulassen. Vielleicht möchtest du dir klar machen, woher deine Erwartungen bzw. deine Ansprüche kommen. Sind das deine Eigenen oder hast du sie übernommen?

Wenn du möchtest, schreibe dir alles auf, was intuitiv hochkommt und betrachte danach deine Zeilen, die du niedergeschrieben hast. Dadurch wirst du mehr und mehr erkennen, welche Erwartungen bzw. Ansprüche du mitgenommen hast, welche du vielleicht für dich selbst hast und welche Erwartungen du an dein Umfeld hast.

AKZEPTANZ

Akzeptanz ist auch eine große Challenge, die wir tagtäglich durchlaufen. Denn oft lieben wir es, alles zurechtzurücken, besser zu machen. Wir wollen ständig tun und tun. Doch während dem Tun vergessen wir manchmal nur mal da zu sitzen und es schön zu haben. Oft wollen wir aber auch Menschen irgendwohin bewegen, wo sie eigentlich gar nicht hingehören.

Doch wir glauben, wir müssen das tun, damit es ihnen besser geht oder aus welchen Gründen auch immer.

Vielleicht geht es einfach darum zu akzeptieren. Akzeptanz gegenüber der kunterbunten Einzigartigkeit. Zu akzeptieren, dass wir alle individuell kunterbunt sind und zu akzeptieren, dass genau das die wundervolle Schönheit in allem ist. Akzeptanz bringt uns Frieden und Leichtigkeit.

LOSLASSEN

Erwartungen und Ansprüche von heute auf morgen loszulassen wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Du darfst dir damit Zeit lassen. So viel Zeit wie du möchtest und wie du brauchst. Wir alle lernen aus Handlungen. Theorie ist ein wunderbares und so wichtiges Tool, doch so lange wir diese nicht in die Praxis umsetzen, wird es immer nur Theorie bleiben.

Handel einfach. Mache dir bewusst, was du loslassen möchtest. Nehme dir deine Liste, die du erstellt hast zur Hand und nimm dir Zeit, welche Erwartungen du nicht mehr weiter mitnehmen möchtest. Es geht einfach um die Entscheidung. Wenn du eine klare Entscheidung triffst, was du loslassen möchtest, ist das Wie nicht so wichtig. Denn für den Loslass – Prozess gibt es viele Möglichkeiten. Höre hierbei auf deine Intuition.

Möglichkeiten wären Rituale zum Loslassen. Du könntest all die Erwartungen, die du nicht mehr mittragen möchtest, durch tanzen oder springen aus dir ausschütteln. Oder du schreibst alles auf und verbrennst den Zettel und wirfst die Asche als Symbol in einen Fluss. Oder du reinigst dich unter der Dusche in dem du bewusst die ganzen Erwartungen von dir reinigst.

Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten, du wirst genau wissen, welches Ritual für dich am besten geeignet ist.

Viel Liebe zu dir,

Bianca